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Von IFC zu Lesosai in Minuten: BIM-gestützte SIA 380/1- und Minergie-Workflows

Warum Energiezertifizierung noch immer auf manueller Flächenermittlung basiert — und wie das aufhört

Veröffentlicht

Simon Dilhas (Mitgründer abstract & BIM Pirate)

Lesosai ist das Standardwerkzeug für Gebäudeenergiebilanz und Zertifizierungsberechnungen in der Schweiz — SIA 380/1, Minergie, CECB-bezogene Workflows. Dennoch erfolgt die Geometrieeingabe in den meisten Büros noch auf die Vordigitalisierungsweise: Jemand sitzt mit den Plänen, misst Hüllflächen, Fensterflächen und Orientierungen von Hand aus und tippt sie ins Programm.

Das ist langsam, fehleranfällig, und es wird über den Projektverlauf hinweg schlimmer. Jede Fassadenrevision, jedes geänderte Fenster, jeder aktualisierte Grundriss bedeutet erneutes Aufmessen und Eintippen. Und wenn das Zertifizierungsergebnis angefochten wird, ist die manuelle Aufmessung der erste Ort, an dem Fehler stecken — ohne rückverfolgbare Verbindung zum Architektenmodell.

Die Ironie: Der Architekt hat diese gesamte Geometrie bereits im BIM-Modell. Das Problem ist, dass ein rohes architektonisches IFC nicht für Energieberechnungen strukturiert ist — Räume fehlen oder sind undicht, Hüllflächen sind nicht sauber begrenzt, und die thermische Zonierungslogik existiert nicht. Diese Lücke ist genau das, was die automatisierte Normalisierung schließt.

Technische Schritt-für-Schritt-Anleitung: Das IFC-zu-Lesosai-Normalisierungsprotokoll

Dieser Workflow funktioniert mit IFC-Dateien aus ArchiCAD, Revit, Vectorworks oder SketchUp. Die einzige Voraussetzung ist, dass das Modell IfcSpaces (Raumvolumen) enthält.

  1. Die richtigen Eingabedaten anfragen (Phase 1): Den Architekten um ein IFC bitten, das IfcSpaces enthält — idealerweise von Oberkante Fertigboden bis Unterkante Rohdecke modelliert, plus Fenster und Türen. Das ist die gesamte Anforderung — kein Modellierungsleitfaden, kein 300-seitiges BIM-Handbuch, kein Hin-und-Her über Schichtaufbauten.
  2. Vorhandensein der Räume prüfen (Phase 2): Die Datei in einem kostenlosen IFC-Viewer öffnen und prüfen, ob Raumvolumen, Fenster und Türen vorhanden sind. Fehlen Räume, reicht ein Satz: "Bitte mit aktivierten IfcSpaces exportieren." Jedes gängige Autorenwerkzeug unterstützt das nativ.
  3. IFC in abstractBIM hochladen (Phase 3): Das IFC unter abstractbim.com hochladen. Die Engine rekonstruiert die Geometrie aus den IfcSpaces: Sie dichtet die Hülle ab, bereinigt Überschneidungen und Lücken, berechnet konsistente Raumbegrenzungen und weiß für jede Wand, welche Räume — oder welchen Raum und das Außen — sie trennt. Genau die Informationen, die eine Energiebilanz benötigt.
  4. gbXML-Export herunterladen (Phase 4): Das normalisierte Modell als gbXML herunterladen. Der Export enthält saubere Zonenvolumen, Hüllflächen mit Orientierungen und Fensteröffnungen — das geometrische Fundament einer SIA 380/1-Berechnung.
  5. In Lesosai importieren und Physik zuweisen (Phase 5): Das gbXML in Lesosai importieren. Die Geometrie kommt strukturiert an, sodass die Arbeit dort beginnt, wo das eigentliche Fachwissen liegt: Konstruktionen und U-Werte zuweisen, thermische Zonen und Nutzungsprofile definieren und die SIA 380/1- oder Minergie-Berechnung durchführen.
  6. Bei jeder Planungsiteration wiederholen (Phase 6): Wenn sich das Projekt ändert, das neue IFC hochladen und neu importieren. Die Geometrie bleibt konsistent und rückverfolgbar zum Architektenmodell — was die Zertifizierungsberechnung auch bei Nachfragen vertretbar macht.

Vergleich der Geometrieeingabe-Strategien

Workflow-Kennzahlen Strategie A: Manuelle Flächenermittlung Strategie B: Rohes IFC direkt importieren Strategie C: Die abstractBIM-Pipeline
Zeitaufwand Stunden bis Tage für Aufmessungen und Eintippen pro Gebäude — bei jeder Revision wiederholt. Variabel; Importe schlagen fehl oder liefern unbrauchbare, undichte Geometrie. Minuten vom Upload bis zur strukturierten Geometrie in Lesosai.
Datenintegrität Keine Verbindung zum BIM-Modell; Übertragungsfehler bleiben unsichtbar bis sie angefochten werden. Gebrochene Begrenzungen und fehlende Zonierungslogik. Konsistente, versiegelte Geometrie, rückverfolgbar zum Architekten-IFC.
Planungsiterationen Jede Fassaden- oder Fensteränderung erfordert eine vollständige Neuaufmessung. Jede Revision startet die Fehlersuche von vorne. Jede Revision ist ein erneuter Upload.
Zertifizierungsrisiko Manuelle Aufmessung ist die klassische Quelle angefochtener Ergebnisse. Hoch — Geometriequalität ist nicht nachprüfbar. Gering — eine normalisierte Quelle für Volumen, Flächen und Öffnungen.

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